Machine Learning in Artistic Practice
Maschinelles Lernen in künstlerischer Praxis

2019
Vortrag

Entwicklungen der Künstlichen Intelligenz verändern viele Bereiche der Gesellschaft und des Lebens. Entsprechend wichtig ist es, sie von verschiedenen Perspektiven aus zu reflektieren und zu gestalten. Kunst kann einen eigenständigen Zugang zu dieser abstrakten Technologie ermöglichen und dadurch einen relevanten Beitrag zum Zusammenleben von Menschen und Maschinen leisten.

Im alltäglichen Gebrauch werden algorithmische Prozesse kaum wahrgenommen. In der Kunst erscheinen sie in sinnlichen Formen und außerhalb ihrer ursprünglichen Funktionszusammenhänge. Dadurch können wir unsere Wahrnehmung für diese Technologie und die mit ihr erzeugten Artefakte schärfen.

Dennoch erfordert auch die Auseinandersetzung mit KI durch Kunst meist rationales Wissen. Häufig ist der Entstehungsprozess, mithin die Technologie, ein elementarer Teil der Arbeit. Diese muss demnach verstanden werden, um an Hand des Kunstwerkes reflektiert werden zu können.

Typische Formen der künstlerischen Verwendung von KI sind das Generieren von neuem Material oder das Klassifizieren von existierendem Material; die Resultate der Berechnungen werden in fixierte Objekte überführt oder verändern sich fortwährend; die Arbeiten thematisieren die abstrakte interne Struktur und/ oder die konkreten Objekte außerhalb der neuronalen Netze. Die Werke entstehen häufig in einem iterativen Prozess, in dem Code und konkretes Objekt einander angepasst werden.

Beispielhafte Ansätze: Ein Großteil der derzeitigen Erfolge im Maschinellen Lernen basiert auf großen Datensets. Deren Entstehungsbedingungen, die darin abgebildeten Vorannahmen und die Beziehung zwischen einem konkreten sinnlichen Gegenstand und seiner Repräsentation in abstrakten Symbolen werden künstlerisch thematisiert. Die Kulturtechnik des Klassifizierens wird kritisiert. Algorithmische Prozesse, besonders neuronale Netze, erzeugen einen Raum an Fiktion. Auszüge dessen werden Wirklichkeit, teilweise mit einem beträchtlichen Anteil an Spekulation. Wie gehen wir mit diesen Artefakten um?

Der Vortrag wurde in leichten Variationen zu folgenden Anlässen gehalten:

»Smart World - Smart Culture?«, 22. - 24. November 2019, Evangelische Akademie Tutzing

Informatik 2019 - KI 2019, Workshop AI & Arts, Kassel

Künstliche Intelligenz in Kunst und Kultur, Tagung der Stiftung Niedersachsen, Hannover

KI - ein neuer Player in Kunst und Kultur, Goethe-Institut Irland, Dublin, Irland

Teile des Vortrags sind in Textform in der Tagungspublikation der Stiftung Niedersachsen zu finden:

Tagungspublikation LINK Stiftung Niedersachsen